Freitag, 20. Oktober 2017

Nähstube

Schon als kleines Mädchen habe ich meine Mutter gerne zum Schneider oder die "volkseigene Nähstube" begleitet. Damals war es ja noch üblich, sich zu besonderen Anlässen ein schickes Kleid auf den Leib schneidern zu lassen.

Später, ich muss so neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, bekam ich zu Weihnachten eine PIKO-Kinder-Nähmaschine namens Michaela; sie hat nicht eine saubere Naht hinbekommen. Weihnachten war gelaufen...

In der Grundschule belegten wir dann das Fach Nadelarbeit, etwas später trat ich der AG Handarbeit bei. Hier wuchs der Wunsch nach Entwurf und Herstellung von “coolen Klamotten“, da diese bekanntermaßen in der DDR schwerlich zu bekommen waren. Dass diese dann vornehmlich aus eingefärbten Bettlaken kreiert wurden, war der Mangelwirtschaft sowie der Mode der Achtziger geschuldet...


Meine erste richtige Nähmaschine! Im Jahre 1984 hievte mein Vater eines Tages einen gusseisernen Gegenstand in mein Kinderzimmer. Eine für mein damaliges Verständnis uuuralte Singer-Nähmaschine, die ein ortsansässiger Feinmechaniker aus dem Korsett des üblichen Maschinentisches befreit, in einen eigens für diese Zwecke hergestellten Hartplastik-Kasten gebaut und mit einem elektrischen Motor versehen hatte. Was für ein Segen!



Fortan war kein Stück Stoff mehr vor mir sicher. Ich nähte Kleidung für mich, meine Puppen und später auch für Freundinnen, was mir einiges an Taschengeld einbrachte. Als das irgendwann nicht mehr gefragt war, stieg ich auf die Herstellung von Heimtextilien und die Änderungsschneiderei um.


Nichts anzuziehen...


...Anprobe...


...ausgehfein!


Meine alte Singer hat mittlerweile wieder einen Tisch bekommen, nachdem sie irgendwann gegen ein neues Modell ausgetauscht und für einige Jahre vergessen wurde, sie dann einen Sturz vom Regal nicht unbeschadet überstand und schließlich als Dekorationsobjekt den Weg zurück in mein Häuschen fand. Leider konnte sie trotz mehrfacher Versuche bisher nicht mehr gangbar gemacht werden, aber ich hoffe noch. Unvergessen ihre Zuverlässigkeit und Kraft, was von den modernen Maschinen kaum noch zu erwarten ist.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Halloween!

Der Hype um dieses Fest hat uns Kinder in der DDR nie erreicht; ich denke, dass sich Halloween allgemein erst in den letzten Jahren zur festen Größe entwickelt hat. Aber damit hat der Herbst doch eigentlich ein schönes Ereignis dazu gewonnen. Die vergehenden Farben im Garten werden mit leuchtend orangen Kürbissen (mal mit oder ohne Gruselgesicht) und Gespenstern dekoriert, bevor es mit etwas Abstand an die Weihnachtsdekoration geht...

Der amerikanische Brauch des Thanksgiving würde mir auch gefallen. Vielleicht übernehmen wir selbiges ja auch noch irgendwann. Wachkatze Boogie würde es freuen, ist Pute doch ihre Leibspeise...


Die Biggi-Bande auf Beutezug.






Furchteinflößend!!!



“Gruselmond“ über Laubelund

Samstag, 7. Oktober 2017

Mädelsabend!

Natürlich waren unsere Mädelsabende in der Kindheit anders als heute geartet. Geht es heute um mittels Smartphone organisierte Treffen mit “tiefgreifenden“ Gesprächen bei dem einen oder anderen Glas Sekt, verabredeten wir uns damals in der Schule und organisierten von langer Hand ein Stelldichein mit Übernachtung bei der jeweils fälligen Freundin. Anstatt Sektchen gab es Süßigkeiten und Brause, anstatt unerschöpflicher Frauenthemen erzählten wir uns Gruselgeschichten oder spielten.






Ganz so kuschelig ging es bei uns damals nicht zu. Wir übernachteten lieber in den Gartenlauben, die als Eltern-freie Zonen galten. Jedoch überlegte man es sich hier zweimal zuviel Brause zu trinken, da es zum Pipi-Machen des nachts in die freie Natur ging. Der Klassiker bis heute schlechthin war und ist der Horror meiner besten Freundin vor Spinnen; und davon gab es in den Lauben viele.... sehr viele. 

Dienstag, 3. Oktober 2017

Biggi unterwegs

Diesesmal ging es nach Berlin! Auf dem Weg dorthin gab es einen Zwischenstopp im Harz, um das in Aschersleben ansässige DDR-Spielzeugmuseum zu besuchen. Eine nicht allzu große, aber vielfältige Sammlung von all den Dingen, die uns als Kindern in der DDR viel Freude beim Spielen bereitet hatten.




(Diese Fotos sind nicht von bester Qualität, da sie bei an diesem Tag schlechtem Wetter und mit dem Handy aufgenommen wurden... Aber das Motiv zählt!)

In Berlin selbst wurde den üblichen Sehenswürdigkeiten im Osten der Stadt ein Besuch abgestattet, es ging aber auch auf die Suche nach “Institutionen“ und Ecken, die jenseits der Touristenpfade liegen. Und hier stießen wir auf ein schönes Geschäft im Ortsteil Prenzlauer Berg: VEB Orange. Eine Mischung aus DDR-Museum und Laden, in dem man noch so einiges aus der alten Zeit erstehen kann, was folgende Bilder meiner erstandenen Schätze zeigen.


Das ist Christina! Eine Kugelgelenkpuppe vom VEB sonni Sonneberg. Eigentlich waren Verkäuferin und ich der Annahme, dass es sich um einen Leerkarton und unverkäufliches Ausstellungsstück handelt. Ein Telefonat der netten Dame mit ihrem Chef und Besitzer des Ladens war indess erfreulich; in dem Karton befand sich noch die Original-Puppe und war erschwinglich zu erwerben! Meins!




Freitag, 29. September 2017

Herbst

Kaum haben wir den Sommer begrüßt, werden die Tage langsam kürzer, die Luft klarer, das Laub an den Bäumen bunter, bald weniger und alles wieder etwas stiller; der Herbst hält Einzug!

Der Garten zeigt sich jetzt in den schönsten Farben, was man um so mehr genießen kann, als dass die Arbeit darin deutlich weniger wird.  Das Kaminholz für den Winter ist eingelagert, die Ernte eingebracht und Wachkatze Boogie hört endlich auf zu haaren, legt sich ein Winterpelzchen zu.

Jetzt beginnt für mich die schönste Zeit des Jahres und kuschel-gemütlich gipfelt sie im Dezember mit Weihnachten!



Hier tummelt sich ein Puppenmädchen von Bähr & Pröschild aus dem thüringischen Ohrdruf im bunten Laub von Laubelund. Auf ihrer langen Reise durch das Puppenleben (gebaut nach 1919) hat sie wohl so einiges durchgemacht. So fehlt ihr das rechte Bein, ihre Haare haben bös' federn lassen, die Wimpern sind verloren und ein kleiner Ausbruch zeigt sich am linken Auge. Aber trotz allem fand ich sie doch zu hübsch und gab ihr ein neues Zuhause. Na und Wachkatze Boogie darf natürlich auch nicht fehlen...



Das ist Pieks, einer von zwei Igel in Laubelund.



Meine tierischen Nachbarn: Schafe und Puten in idyllischer Eintracht.

Samstag, 23. September 2017

Das Puppenhaus

Hier folgt der bereits im April angekündigte Rundgang durch mein Puppenhaus. Es ist eine Kombination aus Dachbodenfund, Eigenbau und Dazugekauftem. Seine Bewohnerinnen sind sämtlich Himmlische Schwestern (mir gefallen die üblichen Puppenstubenpüppchen nicht, da selten lustig). Und: Hier ist das ganze Jahr Weihnachten!



Der Rundgang beginnt unten in der Wohnstube, eine einst freistehende Puppenstube aus den fünfziger/sechziger Jahren, die ich Mitte der Achtziger auf einem Boden gefunden habe, inklusive Puppenmöbel! Gezeigt wird ein Mädels-Sektchenabend.


Über der Stube befinden sich Küche und Schlafzimmer; ich habe beides selbst und auf die alte Stube gebaut.


Im linken Flügel ist ein kleines Cafè untergebracht, darüber eine Dachterrasse; ebenfalls Marke Eigenbau.




Der rechte Flügel beherbergt die Waschküche, auf deren Dach ein Wintergarten thront.



Mittwoch, 20. September 2017

Erntedank

Erntedank löst bei mir als Ereignis in der Kindheit wenig Erinnerungen aus. Einzig der Erntedank-Gottesdienst in unserer Kirche fällt mir da ein. Es wurde alles fein herbstlich geschmückt, jeder musste etwas Geerntetes von Zuhause beisteuern. Und das war etwas heikel, hielt man doch bei bekannter Mangelwirtschaft seine gezüchteten Habseeligkeiten beisammen.

Nicht zu vergessen: Unsere schulisch verordnete “Kinderarbeit“ in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) und im Schulgarten. Nur gab es für das Rübenhacken, Steine- und Kartoffelsammeln, Unkrautzupfen, Pikieren und Ernten kein gebührendes Dankesfest zum Ende der Saison...




Im Ernteeinsatz zwei sogenannte Kaufhaus-Schildkröt-Puppen ("Ursel"), hergestellt in den 50er/60er Jahren.

Samstag, 16. September 2017

Kirche

Neulich hatte ich die einmalige Gelegenheit nach so zirka 28 Jahren einen Blick in unsere alte, fast vergessene Katholische Kirche zu werfen; ich war ob des desolaten Zustandes erschrocken... Sicher hatte sie nie das imposante Erscheinungsbild eines katholischen Gotteshauses gehabt, war in dem Gebäude doch ursprünglich eine Zimmerei untergebracht, aber nichts ist von dem einstigen Ort des christlichen Feierns und unzähliger Begegnungen geblieben. Waren wir Katholiken schon zu DDR-Zeiten eine Minderheit, haben demographischer Wandel und das allgemeine kirchliche Desinteresse ihr zumindest in unserer Stadt den Rest gegeben.



Bilder aus besseren Zeiten...
An die kleine Laube im Kirchgarten habe ich mich beim Bau meiner Mini-Laube (siehe Mai) erinnert. In die Kirchlaube hatte sich seinerzeit unser Pfarrer zum Lesen zurückgezogen; waren wir Kinder zugegen, kam er selten dazu...


In dieser Kirche wurde ich getauft, erhielt die Heilige Kommunion (ein Foto vor meiner Zeit; von mir gibt es leider keine bebilderte Erinnerung daran)  und feierte kurz vor der Wende meine Firmung (vermutlich mein letzter Besuch an diesem Ort).



Jeden Sonntag besuchten mein Bruder - er war Messdiener - und ich den Gottesdienst (morgens um acht... bei schulischer Sechs-Tage-Woche ein Traum...), gingen einmal die Woche zum Religionsunterricht und begingen in den Sommerferien die RKW (Religiöse Kinderwoche).


Die einstige Kirche heute...
Dieses Bild zeigt die Rückseite des Gebäudes, dort, wo einst die Kommunionsgesellschaft (siehe oben) abgelichtet worden war.


Ich habe es mir nicht nehmen lassen, mit der kleinen Nonne noch einmal etwas Glanz in das geschundene Gebäude zu bringen.