Sonntag, 3. März 2019

Das erste Zuhause

Von Beginn an wird der Mensch durch Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen geprägt; zu den ersten Eindrücken gehört dabei ohne Zweifel das erste Zuhause. Der Ort, wo das Abenteuer Leben begann, man sich sicher und geborgen fühlte, die ersten Entdeckertouren nicht selten hinter einer der unzähligen Schranktüren endete, wo es nach leckerem Essen roch, zu Weihnachten nach Plätzchen, wo in behaglicher Enge fast jedes Familienfest stattfand, es mal laut, mal leise zuging, gespielt, gelacht und geweint wurde; ein Hort voll Erinnerungen einer heilen Welt.

Nun hatte ich nach sage und schreibe 35 Jahren das große Glück, noch einmal das Haus und die Wohnung betreten zu dürfen, in dem ich die schönste Zeit meines Lebens verbracht habe: Meine Kindheit!


Ein “6 WE“ (sechs Wohneinheiten), erbaut im Jahre 1968. Meine Eltern, die im selben Jahr geheiratet hatten, waren seinerzeit heiße Anwärter auf eine der begehrten Wohnungen. Um dieser Anwartschaft Nachdruck zu verleihen, durfte Papa in Form von “Aufbaustunden“ an der Erbauung des Hauses mitwirken. Ein Hoch auf den Sozialismus!


Hier haben wir bis 1984 gewohnt und gelebt (oben links), bis Anspruch und Platznot ein neues Domizil von Nöten machten.


Man mag es kaum glauben, aber dieses Gebäude befindet sich seit unserem Auszug noch nahezu im Originalzustand. Fenster, Fassade, Kachelöfen, Elektrik, ja selbst der Geruch im Treppenhaus haben die Wirren der Zeit überdauert.

Nun ist es fast leergezogen, hat seit kurzem einen neuen Besitzer, wird ganz bald sein altes, vermeintlich unschönes Gesicht verlieren, um topmodern saniert im neuen Glanze zu erstrahlen. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Und ein paar Fotos, die ich dank der Beziehung meines Bruders zum neuen Besitzer machen durfte.


Unser Kinderzimmer um etwa 1982. Trotz der schlechten Bildqualität erkennt man unschwer meinen Hang zu Puppen; alle hier abgebildeten befinden sich noch immer in meinem Besitz. 


Selbes Zimmer, gleicher Blickwinkel, neue Zeit.


Heute unvorstellbar, aber damals das Normalste der Zeit: Tagtägliches Befeuern der beiden Kachelöfen in Kinder- und Wohnzimmer an kalten Tagen, mit resultierendem Schleppen von Holz, Kohle und Asche in und aus der dritten Etage. Sport frei!


Silvesterabend 1982. Dieses Foto habe ich damals mit meinem zuvor vom Weihnachtsmann gebrachten Fotoapparat “Beirette“ geschossen. Im Hintergrund der gute alte Kachelofen. Und der von einer alten Dame geknüpfte Wandbehang, welcher heute mein Nostalgie-Zimmer ziert.


Noch trotzt der Zwei-Meter-Koloss im bemerkenswert guten Zustand in der einstigen Wohnstube. Doch seine Tage sind gezählt; die komplette obere Etage des Hauses soll abgebrochen werden...


An diesem Ofen haben wir uns an kalten Tagen gewärmt; war es besonders schuppig, wurden vor dem Zubettgehen unsere Federbetten daran schlummertauglich gemacht. In der Röhre wurden Speisen oder Tee warmgehalten, ab und zu entsprang ihr auch ein Bratapfel.

Ich war in diesen Tagen zweimal in “unserem“ Haus; bin es noch einmal mit meiner Mutter und meinem Bruder durchschritten (für Papa gab es ein Video per Whatsapp...). Jedem von uns fielen fast vergessene Anekdoten zu den einst mit Leben gefüllten Räumen ein. Eine wunderbare Gelegenheit, die sich sicher nie mehr bieten wird.


Fundstücke...


... drei Zeitungen und der Deckel eines Schuhkartons (auf dem handschriftlich der Nachname meiner Oma gezeichnet ist!) sind die einzigen Relikte, die sich noch finden ließen. Werde sie gebührend archivieren.

Freitag, 8. Februar 2019

Schönheitswahn



Kaum ein Thema scheint - Vorsicht Klischee - das vornehmlich weibliche Geschlecht mehr zu beschäftigen, als die vermeintliche Schönheit. Und seit jeher wird alles nur mögliche unternommen, dem Ideal der Zeit gerecht zu werden.


Da wird sich in Kleidergrößen gehungert, bis Laune und Kreislauf im Keller sind, Haare massakriert, bis selbige den Weg via Kamm und Bürste gen Abfluss  nehmen, gezupft, gecremt, gepinselt, neuerdings gespritzt, auf dass ein Geschöpf vollkommener Schönheit entstehen möge. Die Erkenntnis, dass dies vor allem im zunehmenden Alter sein Ziel verfehlt, lässt die Gramesfalten umso tiefer erscheinen.



In jungen Jahren waren wir von Natur aus schön, mussten 
 lediglich beim Friseur ein paar Federn lassen; und die Klamotten wurden uns von Mama verordnet. Was dabei heraus kam, davon zeugen die mittlerweile ebenfalls vergilbten Fotos in diversen Alben...


Später erkämpften wir uns nach und nach ein gewisses Mitspracherecht. Nicht immer stilsicher kombinierten wir unsere Kleidung mit ins Auge springender Farbvielfalt, schnitten uns einen Pony mit 45 Grad-Gefälle und versuchten uns am farbenfrohen Inhalt von Mamas Kosmetiktasche.



Es ist ja nicht so, dass ich von all den wohltuenden und vielleicht auch etwas Nutzen bringenden Anwendungen nichts weiß, aber niemand wird mich je in Kosmetiksalons, Nagelstudios, Solarien oder sonstigen Wellnesseinrichtungen zu finden wissen. Reine Zeitverschwendung, wenn man selber weiß, wie es geht. ...Mann, bin ich unentspannt...


Ja, auch dieses Übel hat mittlerweile seinen Einzug in die Schönheitsbranche gehalten. Eine gesunde Zahnleiste ist längst nicht mehr Ziel der Sache, nein: weiß ist nicht weiß genug, ein leicht schiefer Zahn wird mittels Schienen und Spangen in Form gezurrt, und wenn Mutter Natur zu ungnädig war, wird kurzerhand das komplette Gebiss verblendet. Die kommenden Archäologen werden so einiges zu Staunen haben...


Fazit: Gut und gepflegt auszusehen ist ein wichtiger Grundstock unseres Wohlbefindens, man sollte es jedoch nicht übertreiben. Darauf eine Gesichtsmaske! Ach ja, der Nagellack muss neu! Oh, Haaransatz... Färben! Mist... Hose zu eng... Sport? Och nööö!

Samstag, 19. Januar 2019

Erster Schnee des Jahres!

Es hat geschneit in der letzten Nacht!
Was für mich an Arbeitstagen eine mittelschwere Panik auslöst (wer sich früh vor 5 Uhr mit dem Auto auf eine 100-Kilometer-Tour begibt, wird es nachfühlen können...), löst an freien Tagen noch immer dieses alte Gefühl von Kinderzeiten aus. 


Zwar renne ich heute nicht mehr unverzüglich in den Keller, um Schlitten und Gleitschuhe an das Tageslicht zu befördern, aber an einen gediegenen Start in den Tag ist dann trotzdem nicht mehr zu denken. 


Zunächst einmal lasse ich die wunderschöne weiße Pracht, vom Fenster aus betrachtet, auf mich wirken. Ignoriere dabei gelassen die vorwurfsvollen Blicke meiner Katze Boogie, welche wie gewöhnlich die Nacht auf ihrem Kissen am Fenster verbracht hat. Draußen.



Den Anblick der friedlich-weißen Winterwelt genossen, Boogie mit frischem Putenfleisch (ja, sie isst nichts anderes!) und warmer Milch versorgt, geht es bei Anbruch des Tageslichtes nach draußen.


Über das vergangene Jahr hat sich so einiges an Utensilien für winterliche Puppenfotos angesammelt, die nur darauf warten, in Szene gesetzt und abgelichtet zu werden.


Und so mummel ich mich warm ein, trinke noch ein wärmendes Käffchen und hole all diese Utensilien nebst Protagonisten in meinen Garten, um sie für eine gewisse Ewigkeit im Bilde festzuhalten.


Dies hier ist ein DDR-typischer Umbau eines Kinderwagens (ZEKIWA, 70er Jahre) für den Winter, hauptsächlich in den südlichen Gefilden des Landes eingesetzt. Eigentlich meinte ich, nur die Wanne gekauft zu haben, musste dann aber freudig feststellen, dass an dieser eine ausgeklügelte Unterkonstruktion für den Schlitten gebaut wurde. Passt und hält hervorragend!



Soeben eingetroffen: Ein schweres Puppenmädchen (noch nicht hergerichtet) von Schützmeister & Quend aus dem thüringischen Boilstädt.
Willkommen in der mecklenburgischen Winterwelt!

Freitag, 11. Januar 2019

Will haben!

Eigentlich typisch Kind: Alles was bunt und nach Spielzeug aussieht, oder den süßen Genuss von Naschi verspricht, kann und darf nicht unbeachtet in den Regalen des Einzelhandels versauern. Und da war ich als kleines Mädchen nur zu gerne behilflich!


Nun war gerade das Angebot an Spielzeug in der DDR recht übersichtlich, naja, wie eigentlich alles, was im besonderen Maße das Herz begehrte. Zudem konnte der Familienetat nicht gänzlich dem Kauf von Puppen und Co. geopfert werden. Und blöderweise hatte man nur einmal im Jahr Geburtstag, gab es nur ein Weihnachten, Ostern und Nikolaus...Was für ein Dilemma!


Schon früh habe ich gewusst, womit man mir eine Freude machen konnte. Platz eins nahmen hierbei, wen wundert's, die Puppen ein. Und ein Puppendasein kann ganz schön öde sein, fehlt die dazugehörende Ausrüstung wie Kleidung, Puppenwagen, Möbel und vieles mehr.




Der heimische Spielzeugladen “Flax & Krümel“ war mein Tempel der Glückseligkeit. So oft ich konnte stattete ich ihm einen Besuch ab, oder drückte mir das Näschen an der Schaufensterscheibe platt. Und jedesmal fand ich auf's Neue ein Objekt der Begierde.


Noch heute fallen mir so einige Dinge ein, die ich als Kind trotz mehrfach geäußertem Wunsch nie bekommen habe. Und das lag weniger daran, dass meine Eltern mir selbigen verwehrt hatten, sondern vielmehr daran, dass es diese Dinge einfach nicht zu kaufen gab bzw. die Beziehungen zum Erwerb der Bückware fehlten.



Da gab es die elektrische Puppenwaschmaschine von PIKO, die meine Freundin Iris besaß und nie damit spielte; geschenkt hat sie mir das Traumteil trotzdem nicht... Dann der kombinierte Wickel- und Badetisch für Puppen, eine große Wiege mit Himmel, einen Kleiderschrank für große Puppen, einen richtigen Kinderwagen (den ich, wie bereits erzählt, dann viel zu spät bekam und irgendwann spurlos verschwand) und sicherlich so einiges mehr, an das ich mich heute nicht mehr erinnern kann.



Meine vor nicht allzu langer Zeit entdeckte Leidenschaft für Puppen und Spielzeug hat mir die unerfüllten Wünsche aus Kindertagen ins Gedächtnis gerufen. Und was für eine Freude, wenn man sich diese nun nach bereits vergangenen Jahrzehnten (!!!) erfüllen kann! Leichter ist dies allerdings nicht geworden. Was einst heißbegehrtes Spielzeug in der DDR war, ist heute umso mehr gefragt und hat Sammler- und Kultstatus.

*****


Was für ein Drama!!!
Beim fotografieren der Szene an der Tisch-Badewanne fiel mir doch tatsächlich diese erst am Tag zuvor erhaltene Puppe von Ernst Heubach aus Köppelsdorf auf den Dielenfußboden! Das war mir bis dahin noch nie passiert!


Nach einer ersten Schockminute machte ich mich an die umgehende Behebung des Schadens, und: Gelungen! Zwar ist das große Puppenmädchen nun kaum noch etwas wert, aber egal, sie bleibt ohnehin bei mir.

Montag, 24. Dezember 2018

Weihnachtspuppen 2018

Nun schaue ich bereits auf ein vor fast zwei Jahren begonnenes Hobby zurück. Gerade in diesem Jahr hat sich meine Sammlung an Puppen, Spielzeug und Relikten aus der DDR um ein Beträchtliches erhöht. Alleine die Anzahl der Puppen dürfte sich mittlerweile an die 250 belaufen... Und dabei sind die kleinen aus Puppenstube und Co. noch gar nicht eingerechnet.


Und wann immer ich mir ein Verbot weiterer Puppenerwerbe auferlege, schaut mich ein hübsches Gesichtchen aus Porzellan, Zelluloid oder sonstigen Materials auffordernd an, auf dass ich wieder schwach werde und es nach Hause holen muss...



Mein Nostalgie-Zimmer platzt mittlerweile aus allen Nähten. Aus den anfangs gut begehbaren Räumlichkeiten mit der Möglichkeit des Verweilens auf einem gemütlichen Rundbogenstuhl, an einem mit Puppengeschirr eingedeckten Tisch, ist ein fein hergerichtetes “Schau-Archiv“ geworden.


Wann immer mir eine Idee für eine Fotogeschichte in den Sinn kommt, schnappe ich mir den großen Korb mit den zwei Schwenkdeckeln, “schreite“ damit einem Kaufmannsladenbesuch ähnlich das Angebot ab und lege alle in Frage kommenden Utensilien hinein. Und es kommt dabei kaum noch vor, dass irgendetwas nicht vorrätig ist.


Mit der oder den in Szene zu setzenden Puppen auf dem einen Arm, den vollgepackten Korb am anderen, geht es dann zur zuvor auserwählten Stätte der Inszenierung. Im Sommer wird dies zumeist der Garten, gerne auch mal der Strand in der Nähe sein, im Winter sind es die Räumlichkeiten meines kleinen Häuschens.


Sind die Bilder im Kasten, wird das Nostalgie-Zimmer dann kurzzeitig gänzlich unbegehbar, da dann weder Zeit noch Lust zum Einsortieren und Drapieren der soeben noch genutzten Dinge vorhanden ist.


Bis ich dann ein  paar Tage später die Ruhe und Zeit finde, alles fein säuberlich und bedacht an seinen angestammten Platz zu stellen.




Bis zur nächsten Idee!


Freitag, 14. Dezember 2018

Die Weihnachtsgeschichte

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. 


Da machte sich auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.


Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe: Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.


Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.


Und der Engel sprach zu ihnen: “Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: “Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“


Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: “Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“


Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott und alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.


Indess machten sich die heiligen drei Könige auf Geheiß des Königs auf den Weg. Und den Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

(Lukas 2, 1 - 20)