Sonntag, 1. September 2019

Bädertour

So langsam neigt sich auch dieser Sommer seinem Ende zu. Die Tage werden kürzer, der frühe Morgen riecht schon ein wenig nach Herbst, der Sommerurlaub ist vorbei. Geblieben ist eine gewisse Entspannung, die einige Tage Abstand vom beruflichen Alltag mit sich brachten, und Erinnerungen an schöne Ausflüge, die auf Fotos gebannt zu unvergesslichen werden.


Der Sommerurlaub wird von mir seit jeher größtenteils für das Aufrüschen und die Instandhaltung von Haus und Garten genutzt; größere Reisen machen mir nur im Frühjahr und Herbst Spaß (da ist die Gefahr von der Hitze erschlagen zu werden weitaus geringer...). Trotz aller Strebsamkeit, die zuvor erstellte Arbeitsliste zum Erhalt der Gemütlichkeit zu Hause abzuarbeiten, bleibt dann doch immer noch genug Zeit, sich die schönen Ecken im Einzugsgebiet meiner Heimatstadt etwas näher zu betrachten.


Los ging es in Warnemünde, dem einstigen Fischerdorf im Rostocker Norden. Ich bin in den letzten Jahren oft hier gewesen, finde den Mix aus alter Seemanns- und DDR-Architektur sehr interessant.



Im Neptun-Hotel, einst Hochburg von devisenbringenden Nicht-DDR-Bürgern und Abhöranlagen, ist seit einiger Zeit wieder eine originalgetreue Broiler-Bar untergebracht; nichts wie hin da!


Eine ganze Speisekarte dem goldbraunen Geflügel gewidmet, mehr braucht es nicht!


Der Alte Strom in Warnemünde. Zu vorgerückter Stunde und bei gutem Wetter kaum noch in Ruhe zu genießen. Wie in allen ostdeutschen Orten an der Ostsee hat auch hier eine zunehmende “Touristen-Schwemme“ eingesetzt. Und ich mittendrin...


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Nächstes Ausflugsziel: Boltenhagen!
Hier, im Ortsteil Tarnewitz, habe ich als kleines Mädchen meinen ersten Familienurlaub verbracht. Meine Erinnerungen und beweisbringende Fotos? Leider Fehlanzeige.



Eigentlich habe ich (wir) Boltenhagen immer gemieden. Zu DDR-Zeiten hoffnungslos überfüllt und das Meer schnell tieferwerdend, weshalb sich unsere so gar nicht schwimmfähige Familie dann aus Sicherheitsgründen lieber im wadenhohen Wasser der Wohlenberger Wiek aufhielt.


Einen Zwangsaufenthalt legte ich hier im Jahre 1985 ein, als es mit der Schulklasse in das Ferienlager der MTW ging. Zwangserholung nach sozialistischem Vorbild mit Frühsport, Morgenapell und linientreuen Songs am Lagerfeuer. Wir probten das Überleben in der Wildnis (Boltenhagen ist nach wie vor ein baumreicher Ort) und erlebten zwei Wochen unter ständiger Beobachtung von Lehrern und Leitern, so dass ein junges Mädchen aus Laubelund für immer und ewig beschloss, Urlaub mit und unter vielen Menschen ist total doof!


Mittlerweile habe ich Gefallen an diesem Ort gefunden. Viele alte Gebäude sind erhalten geblieben, große Bausünden blieben aus und es lässt sich hier unaufgeregt bummeln und speisen.


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Und immer wieder Wismar!





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Zuletzt ging es nach Kühlungsborn. Hier bin ich früher oft gewesen. Nicht, weil die Ostsee hier flaches Nichtschwimmerwasser verspricht, nein, hier hatten und haben wir liebe Verwandtschaft. Ich glaube, dass ich trotz zahlreicher Kindheitsbesuche in diesem Ort nicht einmal auch nur einen Fuß ins Wasser des baltischen Meeres gesetzt habe... Sicherheit geht eben vor!


Kaum zu glauben: Ein Samstagmittag im August am Hauptstrand von Kühlungsborn und kaum ein Mensch weit und breit...


Die Kult-Bahn von Kühlungsborn: Die Molli!


...Selbstdarsteller...


Prost und Tschüß Sommerurlaub 2019!

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...ich habe dann übrigens doch noch das Schwimmen erlernt... Hier, im heimischen “Oskar-Nolze-Schwimmbad“, welches es noch heute gibt (natürlich unter anderem Namen...). Zu DDR-Zeiten ein blau-gekacheltes, bis zu 3,60 m tiefes Becken, heute zum Naturbad zurückgebaut. Auch irgendwie ein Seebad...

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Donnerstag, 8. August 2019

Ab ins Grüne!

Sommerzeit = Gartenzeit!
So kenne ich es seit jeher. In Kindertagen ging es zum Spielen hierher, später wurde es dann weniger lustig, weil wir uns an der lästigen Gartenarbeit beteiligen mussten, heute ist es ein lieb gewonnenes Hobby geworden. Allerdings ohne das Ansinnen einer nahrungsorientierten Grundversorgung in Form von Obst und Gemüse, nein, lieber Blumen, Gräser, Büsche und Bäume. Ja, ich tue etwas für meine CO2-Bilanz! (Was mir als Weitstrecken-Dieselfahrerin ein reineres Gewissen vermacht!)



Um den Spontanappetit auf frische Erdbeeren oder Kartoffeln zu stillen, verschlägt es mich dann allerdings doch so manches Mal in die Gemüsebeete meiner Eltern, welche praktischerweise meinen Heimweg flankieren.


Und gerade erst habe ich hinter meinem Haus eine wildgewachsene Sauerkirsche entdeckt! Hat es mir anfänglich noch zu denken gegeben, wie das Bäumchen unbemerkt von meinen Unkraut-Zupf-Orgien so groß werden und sogar schon Früchte tragen konnte, fiel mir alsbald eine Verwendung selbiger ein: Kirschlikör!


Wann immer eine Party bei mir zu Ende geht und bei dieser meine beste Freundin sowie mein Bruder zugegen sind, wird ritualisiert der Scheidebecher verlangt. Ein aus heimischen Früchten selbst angesetzter Likör, den ich bis vor einiger Zeit stets parat hatte. Irgendwie hatte ich diese Eigenproduktion einschlafen lassen und meinen Gästen stattdessen gekaufte Tröpfchen untergejubelt. In diesem Jahr gibt es wieder Scheidebecher hausgemacht!


Ein weiterer Vorteil eines Gartens: Wäschetrocknen an frischer Luft! Welch schöner Duft, wenn die bei Sonne und Wind getrockneten Textilien fein säuberlich gefaltet ihren angestammten Platz im Wäsche- oder Kleiderschrank wiederfinden.


“Trocken-Angeln“
Der sich an dieser Stelle bis vor zwei Jahren befindliche große Teich ist Geschichte. Seine Größe und auch Tiefe haben stets viel Arbeit gemacht, einigen liebgewonnenen Tieren (Igel) das Leben gekostet. So wurde er nach Abwägung aller Vor- und Nachteile mit einigen Kubikmetern Erde wieder zugeschüttet. Jedoch könnte er jederzeit wieder zum Leben erweckt werden, da sein Teichbett - seinerzeit von Spezialisten der berüchtigten Mülldeponie im Nachbarort aus extrem dicker Folie verschweißt - im Erdreich belassen worden ist.


Auch das ist Sommer im Garten!
Essen, Trinken und Genießen!




...ach, Boogie...
Keine Fotoarbeit im Freien ohne ihre entzückende Assistenz!


Dieser Puppenwagen hat nach nunmehr über vierzig Jahren wieder Einzug in meinen Garten gehalten. Genau dieses Modell (“Olympia“ von H. Feiner aus Zeitz, ca. 1967) wurde mir Mitte der 70er Jahre von meiner Cousine Birgit überlassen; er war mein erster richtiger Puppenwagen.


Der Puppenwagen hat unseren Garten damals nicht verlassen, war wohl auch für ein unverwöhntes DDR-Kind nicht mehr hipp genug, um ihn auf der Straße zu präsentieren. Nur ein Jahr später wurde er zu Gunsten eines topmodernen ZEKIWA-Panorama-Wagens entsorgt. Umso größer die Freude, als ich eben dieses “Olympia“-Modell nun endlich wieder erstehen und nach Hause holen konnte.


Noch so eine nacherstandene Kindheitserinnerung:
Meine erste Badewanne!
Ich fand diese hier gerade erst in meiner “Stamm-Trödelhalle“; absolut baugleich, jedoch rosa anstatt damals hellblau.


Brummer im Auge...
Da wollte ich für das Ende dieser Geschichte noch ein so richtig in Szene gesetztes Foto schießen und dann das!
An die fünfzig Probefotos geschossen, nach stets unschlüssiger Auswahl des Favoriten alle anderen gelöscht, Szenerie abgebaut und sicher, ein ganz passables Foto archiviert zu haben.
Bei im Verlauf erneuter Betrachtung der Puppen dann der Och-nööö!!!-Moment: Die Puppe im alten Naether-Wagen hat doch tatsächlich einen Brummer im/am Auge! Als solcher auf Entfernung nicht im Detail zu erkennen, aber mir wohl bekannt, hatte er doch schon während des Fotografierens meine Wut auf sich gezogen... Eins zu null für Brummer...

Samstag, 13. Juli 2019

KONSUMinchen empfiehlt!

Unlängst drückte mir mein Bruder einen kleinen Stapel Schwarz-weiß-Fotos in die Hand, auf denen der alte Treppenkonsum meiner Heimatstadt abgebildet ist. Momentaufnahmen der Ladeneinrichtung aus diversen Blickwinkeln, Verkäuferinnen und Kundschaft. Da wir einige Protagonisten noch persönlich kennen, konnten die Fotos zeitlich auf 1986 geschätzt werden. Ein toller Fund!


Sogleich machte ich mich daran, den Bildern meinen eigenen Stempel aufzudrücken; ......Datenschutz!!! Und welches Gesicht passt zum “Überfiltern“ besser, als meine Googly-Replike von J. D. Kestner! Passenderweise KONSUMinchen getauft.


Obwohl seit Entstehung dieser Fotos so viel Zeit ins Land gegangen ist, fühlte ich mich sofort wieder in diesen damals so oft besuchten Konsum zurückversetzt. Weiß noch genau, wo alles stand (vor allem die Süßigkeiten!!!), habe den Geruch in der Nase und bin im Nachhinein beeindruckt, welche Vielfalt an Waren des täglichen Bedarfs in dieses nicht allzu große Geschäft passte.


Der Treppenkonsum (ich hatte hier im August 2018 bereits über ihn geschrieben) war mit der Wende 1990 Geschichte. Von den insgesamt sieben Geschäften dieser Art in meiner Heimatstadt hat keines dieses geschichtsträchtige Jahr überstanden; sie wurden geschlossen zu Gunsten großer Supermärkte im Randgebiet des Ortes.


Ich gehe davon aus, dass diese Aufnahmen nach einer Warenanlieferung gemacht worden sind, denn sooo volle Regale hatten wir dann nun auch wieder nicht...


Allerdings erkennt man an den leeren Wänden der Fleisch- und Wurstabteilung sowie im Kühlbereich, dass die Mangelwirtschaft der DDR auch hier zugegen war.


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Waren des täglichen Bedarfs aus der DDR neu interpretiert!


Nun konnte ich es bei meiner Sammelleidenschaft für Puppen und Spielzeug natürlich nicht belassen, nein, die Dinge des täglichen Lebens in der DDR, meiner Kindheit, sind ebenfalls eine Sammelwut wert. Alltagsgegenstände wie Geschirr, Dekorationsartikel, Haushaltswäsche, aber auch Bücher und sämtliche Waren des täglichen Bedarfs haben mittlerweile einen gewissen Kultstatus und sind teilweise kaum noch zu bekommen, geschweige zu bezahlen...

 

So schaue ich mittlerweile bei jedem Flohmarktbesuch, in jeder Trödelhalle/Antikladen, aber auch im privaten Umfeld nach Alltagsgegenständen und Lebensmittelverpackungen aus dem Land ohne Überfluss und Marktwirtschaft. Ich ersteigere im Internet Leerverpackungen, um ihnen mit Holz, Styropor oder Füllwatte einen neuen und garantiert unverderblichen Inhalt zu verpassen.


Mit einem veschwommenen Blick zurück muss ich sagen, dass das Warenangebot in der DDR so schlecht nicht war. Es fehlte sicherlich an großer Auswahl, Hochglanzverpackungen und oftmals an den berüchtigten Bananen, aber grundsätzlich waren wir versorgt. Wie sagen die Ur-Ossis: “Es ist niemand verhungert!“...


Ja, dem Geflügel in der Deutschen Demokratischen Republik war kein langes Leben vergönnt...


Payback Made in GDR!
Um aus dem Kauf der ohnehin stark subventionierten Waren des täglichen Bedarfs auch noch weitere Barmittel zu schlagen, wurden die Konsum-Marken eingeführt. Und wir machten mit! Für jeden Einkauf im Konsum ließ sich Mama im Gegenwert Konsum-Marken aushändigen, die sie fein säuberlich in ein Sammelheft klebte. Zum Jahresende trug sie dieses in unseren “Stamm-Konsum“ Ave, um mit 1,8 Prozent des getätigten Umsatzes in Form von Bargeld das Weihnachtsfest noch schöner gestalten zu können.