Samstag, 1. Dezember 2018

Vorfreude

Alle Jahre wieder...
...neigt sich das alte Jahr dem Ende entgegen, wird es draußen dunkler und stiller, macht sich eine heimelige Stimmung breit. Die Zeit vor dem Fest aller Feste: Weihnachten!


Und wieder einmal hofft man, den Geist der lange zurückliegenden Weihnachtsfeste aus Kindertagen, wenn auch nur ein bisschen, heraufbeschwören zu können; in der Rückschau meist vergeblich.


Haus und Garten werden feierlich geschmückt, es wird eine Geschenkeliste geführt, Kekse gegen Lebkuchen ausgetauscht, gesellige Abende und Besuche sämtlicher Weihnachtsmärkte geplant und gehofft, dass einem am Ende Zeit und Muße bleiben, das eigentliche Ereignis umfänglich genießen zu können.



Klischeebehaftet (und nicht ganz unwahr), hat die Weihnachtsdekoration für mich als “Mädchen“ oberste Priorität. Ganz wichtig: Licht! Vom großen Tannenbaum im Garten, Schwibbögen in allen Fenstern, Herrenhuter Sterne drinnen und draußen, Pyramiden und, und, und... bis hin zum Adventskranz, der einem die verbleibende Zeit bis zum Weihnachtsfest aufweist.


Erst eins...,


...dann zwei...,


...dann drei...


...und vier, dann steht das Christkind vor der Tür!


“Stillleben“
Diese Puppe von Bruno Schmidt aus Waltershausen wird im nächsten Jahr einhundert Jahre alt! Sie ist die einzige Puppe, die ihren Platz in meinem Häuschen gefunden hat. Das arg geschundene Puppenmädchen besitzt nur noch ein Bein und sitzt im Rollstuhl.


Bornkinnel
(“Stehende Christkindfigur aus dem Erzgebirge und angrenzenden Gebieten“)
Diesen hübschen Lichterengel habe ich im vergangenen Frühjahr in Berlin erstanden. Puppen dieser Art gibt es nur noch selten. Auf ein stoffbezogenes Holzgestell wurde ein Puppenkopf montiert, die handgeschnitzten Arme dienen als Kerzenhalter.


Zusammengerückt!

Auf ein besinnliches, gemütliches und auch fröhliches Weihnachtsfest im Kreise der Lieben! Dankbar, dass es ein weiteres Fest sein wird, an dem wir gesund und komplett beisammen sein werden.

Samstag, 3. November 2018

Hamburger Deern

Seit einigen Jahren habe ich es zur kleinen Tradition gemacht, mir zum Geburtstag selbst etwas zu schenken. Eine weitere kleine Schrulligkeit meinerseits... In diesem Jahr wünschte ich mir von mir, na was? Eine Puppe! Und nicht eine, von denen ich schon unzählige mein Eigen nenne, nein, eine richtig große!


Nach einigen Suchaktionen im Internet fand ich sie: Eine 90 cm große Porzellankopfpuppe von Kämmer & Reinhardt (Replica)! Im Original hergestellt ab 1914 unter der Bezeichnung “Mein Liebling“. Und ihrem Namen macht sie alle Ehre! Schreckte mich anfangs noch der Preis ein wenig ab, wurde dieser Gewissenskonflikt abgemildert, als ich den Artikelstandort der “kleinen“ Dame erspähte: Hamburg! Na, wenn das kein Zeichen war. 


Da ich ohnehin seit nunmehr bald zwanzig Jahren im Tor zur Welt arbeite, war die Entscheidung schnell getroffen. Ein Anruf bei der Besitzerin und das Geschäft war gemacht.

So machte ich mich, von Haus aus kleiner Orientierungstrottel, in die dann doch fast 30 km von meiner Arbeitsstätte entfernten Vier- und Marschlande im Südosten der Metropole auf den Weg; auf dem Beifahrersitz das Navigationssystem meines Handys plappernd. Die bereits reisefertige Puppe inspiziert, für gut befunden, gekauft und ab nach Hause!



Dieser Nachbau eines antiken Puppenwagens wurde mir beim Kauf der Puppe mitgegeben. So täuschen obige Bilder einen Mädchentraum längst vergangener Tage vor, während dessen Protagonisten gerade einmal an die 25 Jahre alt sind. Aber auch die Zeit der Reproduktion alter Spielsachen hat sich überholt, da kaum noch Interesse daran besteht.


Zu Hause!
(Hamburger Nationalgebäck: Das Franzbrötchen)

Freitag, 26. Oktober 2018

Märchen

Gerade denkt man noch, dass diesem Blog so langsam die Geschichten ausgehen, dass alles in anderthalb Jahren aufgegriffen und erzählt wurde, da fällt einem aus heiterem Himmel doch noch etwas neues ein. Märchen!

Als wir selbst dazu noch nicht in der Lage waren, wurden sie uns vorgelesen, dann war über Jahrzehnte Märchenbuch-Pause, weil uncool, heute schaut man sie sich, vor allem in der Vorweihnachtszeit, im Fernsehen an. Aber nur die alten Märchenfilme von der DEFA!!!


Prinzessin auf der Erbse

Nichts spiegelt mein Fremdbett-Dilemma besser wider, als diese Darstellung. Kann ich mein Haupt nicht auf einer wenigstens 30 cm hohen Matratze betten, mir stattdessen in Hotels zum Beispiel harte “Ablagematten“ als Nachtlager angeboten werden, finde ich keinen geruhsamen Schlaf. Prinzessin eben...


Frau Holle

So manches Jahr habe ich mich gefragt, ob es sie eigentlich noch gibt. Dass sie stets pünktlich zu Weihnachten unpässlich zu sein scheint, daran habe ich mich leidlich gewöhnt. Aber auch sonst scheint die gute Frau in die Jahre gekommen zu sein. Schneefreie Winter, Flockenwirbel zu Ostern... Es sollte sich mal wieder eine Goldmarie zu ihr auf dem Weg machen...


Das singende klingende Bäumchen

Hartnäckigkeit in Form eines Prinzen trifft auf Arroganz in Form der holden Prinzessin. Und er gewinnt! Geschichten, die das Leben schreibt.


Rotkäppchen

Als Kind habe ich oft an dieses Märchen gedacht, wenn wir uns vollbepackt mit den Dingen des täglichen Bedarfs auf dem Weg zu Oma in ein abgelegenes Dorf begaben. Nur war sie dann selten krank und verwöhnte uns stattdessen, und dem Wolf bin ich auch nie begegnet... Naja, vielleicht einem kläffenden Dorfhund... Aber die tun ja nichts.


Aschenputtel

Manchmal konnte und wollte ich mich unverstandener Weise in dieses geschundene Mädchen hineinversetzen. Spätestens wenn es am Samstag nach Schulschluss hieß, dass die Treppen im Haus zu reinigen wären, oder im Garten hätte die Erntezeit begonnen, oder die Wäsche könne sich nicht von alleine reinigen, oder ran an die Eimer und Kohle (die schwarze) bunkern.... Hat alles nie so richtig Spaß gemacht, aber uns nicht geschadet!


Schneewittchen und die sieben Zwerge

Eine Geschichte, wie so viele, die Hoffnung macht. Mag es noch so schlecht laufen, es wird immer jemanden (oder sieben...) geben, der hilft, begleitet und für einen da ist. Und am Ende wird alles gut!

*****

Ende

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Herbstspaziergänge

Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder... Dieses Herbstlied aus Kindertagen kann ich bis heute fast textsicher zum Besten geben. In dieser Jahreszeit fällt es mir immer wieder ein, murmel es bisweilen vor mich hin. (Wenn das so weiter geht, bin ich in ein paar Jahren den Erfahrungen der Altgewordenen nach des kompletten Liedertextes mächtig...)



Die von der Trockenheit geplagten Bäume werfen in diesem Jahr zeitig ihre Blätter ab, was den Herbst vorschnell im Garten begrüßen lässt. Alleine meine vier Birken laden zum “Baden im Laub“ ein, oder für Schnappschüsse dieser kleinen Gesellen, die die Früchte ihrer Arbeit zum Wochenmarkt schaffen...



An der Ostsee ist es nun deutlich ruhiger geworden. Die Badesaison ist vorbei, man kann wieder unbeobachtet Bilder wie diese schießen. Und die kühle Luft an ruhiger See sorgt für ein entschleunigtes Wohlbehagen.

 

Auch das hat sich zu einer kleinen Tradition entwickelt: Der alljährliche Kurzurlaub in die “Hochburgen“ Ostdeutschlands, stets im Oktober eines Jahres. Diesmal ging es nach Leipzig. Obwohl man zu DDR-Zeiten stets über die fehlende Reisefreiheit geklagt hatte, habe ich es bisher noch nicht einmal in diese tolle Stadt im eigenen Land geschafft... Und dass auf den Tag genau 28 Jahre nach der Wiedervereinigung...


Das Völkerschlachtsdenkmal in Leipzig. Kleines Biggi-Mädchen vor monumentaler Kulisse.


Absolut empfehlenswert: Ein Besuch im legendären Auerbachs Keller. Hier lässt es sich vortrefflich speisen. Und der Running Gag wie bei so vielen Ausflügen in den Süden der Republik: Goethe war hier...


Nicht unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch im DDR-Museum der Stadt. Wenige Exponate auf kleinem Raum zu völlig überhöhtem Eintrittspreis. Biggi war's egal...


Fazit dieser Herbstreise: Leipzig ist eine quirlige, vortrefflich sanierte Stadt, in der es sich gut bummeln und speisen lässt. Der Geschichte auf der Spur, lässt sich hier so einiges entdecken: Vom Jugendstil bis zur kühlen DDR-Architektur mit noch erhaltenen Leuchtreklamen, ein Szeneviertel in der Südvorstadt, welches einen ein wenig an den Prenzlauer Berg in Berlin erinnert, Zeugen einer längst vergangenen Industriegeschichte und nette Menschen mit einem unverwechselbaren Dialekt.


Und kommt man nach einem von Kälte, Wind, Nebel und Dunkelheit begleiteten Herbstspaziergang nach Hause, bringt ein heißes Bad die Wärme in Körper und Seele zurück.


...oder eine heiße Suppe...

Dienstag, 2. Oktober 2018

Schnupfnasen

Der Herbst ist da! Vorbei die monatelange Hitze und Trockenheit, die Tage werden kürzer und kühler, die Erkältungsgefahr steigt. Und da dauert es auch nicht lange, bis es im Halse kratzt, der Schädel brummt und die Nase dicht ist. Hochzivilisiert, wie wir sind, ist gegen dieses lästige Übel noch immer kein richtiges Kraut gewachsen...


Den Kampf, der drohenden Gefahr mit diversen Mittelchen zu trotzen, verloren, bleibt einem nichts anderes übrig, der Influenza ihren Lauf zu lassen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes...


Damals wie heute gibt es nichts heilsameres, als ein wärmendes Kuschelbett und die aufopfernde Fürsorge durch seine Lieben. Als Kind bekam man alles, was das Herz begehrte: Das Sofa war nur für einen ganz alleine reserviert, der Fernseher lief mit der Nase um die Wette, es gab Tee, Zwieback in heißer, gezuckerter Milch, Schokopuddingsuppe mit Eischneewölkchen und vielleicht sogar ein kleines Spielzeug! Doof nur, dass durch Krankheitsgefühl und Unwohlsein auch wenig Freude mit dieser heimeligen Auszeit einhergeht.


Technik im Retrostyle: Rotlichtlampe aus der DDR vom VEB Infrarotbestrahlungsgeräte Leipzig! Hat irgendwie seine Wichtigkeit im Einsatz gegen “Nasedicht“ verloren...


Anlaufstelle zum Gesundwerden: Die Apothetke. Da mein Nostalgiezimmer ja noch mit wenigen Schritten zu begehen war, musste nun auch noch eine Puppen-Apotheke her. Ich hatte in einer nahegelegenen Trödelhalle alte Medikamente und Apothekenzubehör gefunden, was mich sogleich wieder in einen Planungsmodus versetzte... So erwarb ich zu all den fraglich giftigen Essenzen, Schächtelchen, Glaswaren und Waage auch gleich noch einen alten begehbaren Kaufmannsladen und machte mich ans Werk.


Aus dem alten Kaufmannsladen in den Farben der italienischen Nationalflagge schuf ich mit vielen Pinselstrichen eine für mich passende Lokalität der Kräuterkunde. Puppen, die aufgrund ihrer Größe bisher schwer unterzubringen waren, konnten nun ihrer Bestimmung übergeben werden. Und für alles, was an Ausstattung sonst noch fehlte, gab sich die Paketfrau der Post ein fast tägliches Stelldichein.


*****


Wieder genesen! Auf in neue Abenteuer!!!

Samstag, 15. September 2018

Trabant & Co.

In Sachen Mobilität waren wir in den Gründungs- bzw. Anfangsjahren unserer Familie ziemlich eingeschränkt. Papa hatte ein Motorrad mit in die Ehe gebracht, welches er dann schweren Herzens für den Kauf von Schlafzimmermöbel veräußern durfte. Vom Arbeitgeber gab es dann jedoch alsbald ein Betriebs-Motorrad: Eine ES 150 aus Zschopau, im Volksmund “Eisenschwein“ genannt.


Auf und mit diesem Gefährt haben wir alle Wege bestritten. Zu viert: Die kleine Christina auf dem Tank, Papa am Lenker, mein Bruder eingequetscht dahinter und Mama als Abschluss der Viererreihe... Es ist immer gut gegangen!

Als dieses Konstrukt rein größentechnisch nicht mehr aufging, wurde der Kauf eines Autos in Betracht gezogen. Und das war in der DDR nicht so einfach... Anfang der 80er Jahre war es dann soweit: Ein gebrauchter weißer Trabant mit schwarzen Seitenstreifen, der Mitte der achtziger Jahre durch ein nagelneues Modell ersetzt wurde.



Das DDR-Kult-Auto: Der Trabant! Hergeleitet von “Begleiter/Weggefährte“. Diesen zum Brautwagen umfunktionierten Trabi konnte ich mir kürzlich von einer ortsansässigen Kfz-Werkstatt ausleihen. Schaffte er es noch eigenmächtig auf unseren Hof, musste er bei seiner Abholung diesen leider am Abschlepphaken verlassen...




Die Kleine “Rennpappe“ hat uns zuverlässig noch durch die turbulente Zeit der Wende begleitet und erfuhr Anfang der neunziger Jahre das Schicksal fast aller Autos aus der DDR und ihren sozialistischen Bruderstaaten: Bestenfalls wurden sie noch für niedere Dienste eingesetzt, größtenteils verschrottet.



Mitte der achtziger Jahre hatte auch ich begonnen, mich der motorisierten Fahrzeugwelt zu stellen.  Mit fünfzehn Jahren machte ich meinen Moped-Führerschein, mit sechzehn den für Motorrad. Ich bin gerne und viel Moped gefahren. Obwohl ich selbst nie ein eigenes besessen hatte, gab es damals jedoch schon den einen und auch den anderen Jungen, die mir ihre Krafträder für längere Zeiträume überließen.


Um noch etwas cooler die Straße zu erobern, begann ich Ende der achtziger Jahre - der DDR ging so langsam die Puste aus - das Motorrad für mich zu entdecken. Die alte ES 150 von Papa stand seit geraumer Zeit verstaubt in der Ecke, war von einer TS 150 abgelöst worden, mit der ich meinen Führerschein gemacht hatte (einmal dem Fahrschullehrer “vorfahren“, 30 Mark zugesteckt, Führerscheinprüfung bestanden...).


Am Ende habe ich mich kaum mit dem schweren und unhandlichen Motorrad auf die Straße gewagt. Zudem ich stets jemanden mit starkem Knochenbau in der Nähe wissen musste, der mir das Höllenteil mit Kickstarter und kompressionsbedingtem Rückschlag anwerfen konnte.

Nachdem sich die DDR mit allem Drum und Dran in die Geschichte verabschiedet hatte, war auch das Kapitel der treuen motorisierten Weggefährten beendet. Die Motorräder wurden verschrottet (eine Schande aus heutiger Sicht), unser Trabant wurde einige Zeit später für 600 Mark veräußert. Platz für die schöne neue Welt der Konsumgüter...

Donnerstag, 9. August 2018

KONSUM & HO

Die Handelsketten der DDR: KONSUM und HO (Handelsorganisation). Wohl keine öffentlichen “Institutionen“ habe ich als Kind so oft aufgesucht, wie diese. Und davon gab es in unserer Kleinstadt im Vergleich zu heute viele. In wirklich jeder Straße, war sie noch so wirtschaftlich ungünstig gelegen, gab es einen “Tante Emma-Laden“, zumindest einen Bäcker. Noch heute kann ich bei einem Spaziergang durch den Ort über die nach der Wende zu Wohnraum oder Leerstand umfunktionierten Geschäfte Auskunft geben. Ich kenne noch die Läden beim Namen, ihr Angebot, habe die Gesichter der damals noch jungen Verkäuferinnen vor Augen. Nichts davon ist geblieben.


Schon früh hat Mama uns zum Einkaufen mitgenommen. Ein paar Schritte von unserem Haus gab es den “Tempo“. Ein Geschäft des täglichen Bedarfs, welches den leckersten Fleischsalat (damals per Waage in Papier abgefüllt) im Sortiment hatte. Auf dem Weg zum Garten flankierte man gleich zwei KONSUM-Verkaufsstellen, einen Bäcker und einen Fleischer. Hier deckten wir uns mit allem Nötigen für schöne Stunden im Grünen ein; für Papa wurden ein, zwei Flaschen Bier gekauft.


Früher stand uns Kindern nicht viel Geld zur Verfügung. Wir bekamen ab und zu etwas Taschengeld, lieferten Altstoffe ab, brachten leere Bier- und Limoflaschen umgehend zum Konsum oder wurden von Oma mit ein paar Mark bedacht. Und trotz Mangelwirtschaft gab es immer etwas, was sofort und uuunbedingt käuflich erworben sein musste. Das Gros meiner Barmittel ging natürlich für Süßigkeiten drauf, hier konnte man ab 10 Pfennig fündig werden.


Und dann kam die Qual der Wahl: Kaufe ich mir Lack- oder Abziehbilder in einem der beiden Schreibwarengeschäfte? Einen Kinderring mit Glitzerstein in einem der Uhrenläden? Eine kleine Püppi für die Puppenstube im Spielzeuggeschäft “Flax und Krümel“? Lätzchen, Babysocken oder Windeln für meine Babypuppe im großen Kinderkaufhaus? Hübsche Kindertaschentücher im noch größeren Kaufhaus für Konfektion, Kurzwaren und Trikotagen? Zopfhalter für die nicht vorhandenen langen Haare in der Drogerie? Oder ließ sich etwas Schönes im “Lampenladen“ (hier gab es von Technik, Tonträgern, Töpfen, Geschirr und Glas alles für das Zuhause) oder “Tausend kleine Dinge“ ergattern. Mama hat es irgendwann aufgegeben, mir eine Spardose aufzubürden; ich brachte es einfach nicht fertig, das Geld ungenutzt in deren Tiefen zu versenken.


Ein Anblick vergangener Zeiten: Das Schaufenster eines Spielzeuggeschäftes.


Das letzte heute noch erkennbare Geschäft in meiner Heimatstadt aus Kindertagen: der “Treppen-Konsum“. Früher ein Anbieter des täglichen Bedarfs, von Lebensmitteln, Obst und Gemüse, bis zum Getränkemarkt auf der Rückseite des Gebäudes, heute eine abgespeckte Version im Bio-Segment. Der Laden hat seinen Namen der imposanten Eingangstreppe zu verdanken. Niemand hat sich damals gekümmert, wie wohl gebrechliche oder behinderte Menschen das Innere des Geschäftes erreichen könnten. Und für die, die es so gar nicht nach “oben“ schafften, stand im Sommer links neben der Treppe ein wunderschöner Eiswagen, an dem man für ein paar Pfennige eine Kugel Eis aus großen blauen Isoliergefäßen in die Muschelwaffel serviert bekam.


(Für dieses Eis muss man mittlerweile weit fahren... in das DDR-Museum Dabel.)


Nun habe ich mich nicht getraut, dieses Ensemble auch noch am “Treppen-Konsum“ für ein Foto zu platzieren (ich hätte mir wohl die Frage meines Gemütszustandes durch die Bevölkerung gefallen lassen müssen...), aber auch das war ein typisches Bild in der Einkaufswelt der DDR. Niemand ist damals auf die Idee gekommen, den Kinderwagen samt Inhalt mit in den Laden zu nehmen. Stattdessen wurde er hübsch ausgerichtet vor dem Haus geparkt, die etwas unruhigeren Geister waren mit einem Geschirr an den Wagen gekettet.


Der “Intershop-Blick“!
Der Intershop war bekanntermaßen ein Anbieter westlicher Waren in der DDR, der auch in unserer benachbarten Kreisstadt ansässig war. Gegen sogenannte Forumschecks konnte man dort die bunte Kosumwelt der BRD erwerben. Nur hatten wir diese so gut wie gar nicht und mussten uns mit dem Vergnügen des Gucken und Riechens begnügen.